Vom Bekenntnis zur Praxis
Vom Bekenntnis zur Praxis
| Artikelnummer: | 271872 |
|---|---|
| ISBN/EAN | 9783863538729 |
| Verlag | Christliche Verlagsgesellschaft |
| Erscheinungsdatum | 22.06.2023 |
| Autor | David I. Smith |
| Umfang | 224 |
| Einbandart | Paperback |
| Format | 13,5 x 20,5 cm |
Produktinformationen "Vom Bekenntnis zur Praxis"
| Artikelnummer: | 271872 |
|---|---|
| ISBN/EAN | 9783863538729 |
| Verlag | Christliche Verlagsgesellschaft |
| Erscheinungsdatum | 22.06.2023 |
| Autor: | David I. Smith |
| Umfang | 224 |
| Einbandart | Paperback |
| Format | 13,5 x 20,5 cm |
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22. August 2024 09:53
dv
Es scheint, das Schul- und Bildungssystem in Deutschland hat seine besten Tage hinter sich. Anderen Nationen und Kulturen geht es allerdings ähnlich. Wie kommt das? Ist Lernen und anderen etwas Erklären nicht ‚kinderleicht‘? Neben methodischen Fragen müsste man aber auch inhaltliche Dinge auf den Prüfstand stellen: Nach welchen Maßstäben beurteilen wir überhaupt gutes Lernen? Und was umfasst wahre Bildung? Sicherlich mehr als nur wirtschaftliche und technologische Faktoren, bei denen es hauptsächlich um die Beschäftigungsfähigkeit von Menschen geht. Der britische Autor David I. Smith war ursprünglich Lehrer an weiterführenden Schulen und arbeitet mittlerweile als Universitätsprofessor und Leiter des Kuyers Institute for Christian Teaching and Learning in Grand Rapids/ USA. Mit Vom Bekenntnis zur Praxis (engl. On Christian Teaching) legt er ein wichtiges Buch vor, von dem Christen im Lehrbetrieb und in pädagogischen Berufen wertvolle Impulse mitnehmen können. Sein Hauptanliegen ist sehr grundsätzlich und realistisch, wenn er festhält: Mein Ziel ist es nicht, ein Handbuch für jede Form von Unterricht vorzulegen, sondern die Rolle des Glaubens bei der Ausgestaltung unseres pädagogischen Handelns zu erklären. Ich hoffe, dass ich am Ende ein vernünftiges Argument dafür geliefert habe, dass der Glaube die Pädagogik beeinflussen kann, und dass ich eine konkrete Vorstellung davon vermittelt habe, wie das geschehen kann. (S. 10) In Kapitel 1 („Pädagogische Brüche“) beschreibt Smith die Kluft, die zwischen der pädagogischen Realität und der Erwartung von gläubigen Pädagogen häufig besteht: Das Lehrmaterial ist oft einseitig und es begrenzt das Potenzial der Unterrichtsinhalte. Der Lern- und Lehrprozess hängt darüber hinaus oftmals viel zu sehr vom Bauchgefühl und den unterhinterfragten Gewohnheiten des Personals ab, sodass die Schüler dann in der Regel den Weg des geringsten Widerstandes gehen: Sie konzentrieren sich eher auf passable Noten, anstatt auf nachhaltige Lernerlebnisse. Die Kernfrage lautet an dieser Stelle, was den Unterricht wirklich christlich macht und welche Folgen sich daraus praktisch ergeben. Als Gedankenhilfe greift Smith auf die christlich geprägte, europäische Bildungsgeschichte zurück und erinnert daran, dass Lehranstalten z.B. im Mittelalter als eine Art ‚Zuhause‘ gedacht waren, d.h. als eine schützende Herberge, in der man gemeinsam und wahrhaft pädagogisch lernen, lehren und leben konnte: Wir sollten uns davon lösen, Unterrichten als ein Repertoire von Techniken zu betrachten (…). Eine Pädagogik ist ein Haus, in dem Lehrer und Schüler eine Zeit lang zusammenleben können, ein Ort, an dem Schüler als Gäste willkommen sind und an dem sie wachsen können. Wie jedes Zuhause bietet es Mittel und Muster für die Interaktion, sowohl beabsichtige als auch unbeabsichtigte, die die Art und Weise formen, wie die Menschen darin wachsen und sich die Welt vorstellen. (S. 27) Im übertragenden Sinne sollten wir also ein pädagogisches Zuhause bauen. Wie kann so etwas praktisch aussehen, nicht zuletzt in Regelschulen mit begrenzten gemeinsamen Zeiten und einem rigiden Stundenplan? Dazu beschreibt Smith in Kapitel 2 („Die ganzen neun Minuten“) recht ausführlich, wie er als Lehrer die ersten Minuten eines neuen Halbjahres genutzt hat, um die Schüler in seinem Fach ganzheitlich abzuholen und auf den gemeinsamen Lernweg einzustimmen. Das darauffolgende Kapitel 3 („Muster, auf die es ankommt“) dient der Vertiefung und fragt danach, welche pädagogischen Prozesse in einer Unterrichtsstunde ablaufen, und inwiefern sie über die wenigen Lernziele hinausgehen, die Lehrer für sich ausformulieren. Der Autor ist überzeugt, dass der christliche Glaube hier einen wichtigen Rahmen bietet und z.B. den Bereich der Persönlichkeitsbildung noch einmal ganz anders in den Fokus nimmt. In Kapitel 4 („Die Bewegung der Seele“) möchte Smith eine gewisse Unzufriedenheit bei seinen Lesern wecken, gerade weil viele Unterrichtsstrukturen und -inhalte weit unter einem christlichen Standard bleiben. Als Beispiel nennt er seinen eigenen Fremdsprachenunterricht. Dort waren Schüler es gewohnt, unter Druck zu arbeiten und sich die Sprache aus der Sichtweise plumper Touristen und gutbürgerlicher Konsumenten anzueignen (Reisen, Einkaufen, Essen bestellen, usw.). Dies förderte nicht nur eine egozentrische Sichtweise auf die Welt und auf andere; es klammerte außerdem wahrhaft menschliche Themen aus und ging komplett an der Lebenswelt von Schülern aus benachteiligten Schichten vorbei. Kapitel 5 („Motivierte Unterrichtsgestaltung“) greift dieses Szenario noch einmal auf und versucht, anhand der Begriffe von Nächstenliebe und Gastfreundschaft eine bessere Alternative zu entwickeln, d.h. mit neuen Unterrichtsinhalten und veränderten Methoden die besagte Fremdsprache zu lernen. Wie der Autor seine Denkwege und den Austausch mit Kollegen offenlegt, ebenso seine eigenen Lernerfahrungen und die gemachten Fehler; wie er die Umsetzung im Unterricht beschreibt und anschließend auswertet, ist sehr ehrlich und aufschlussreich. Bis hierhin ging es im Buch vor allem darum zu zeigen, „dass die Verbindung von Glauben und Pädagogik auch die besondere Beschaffenheit pädagogischer Prozesse berücksichtigen muss.“ (S. 97) Mit Kapitel 6 beginnt gedanklich ein neuer Teil. Der Fokus liegt nun auf der Frage, wie es praktisch aussehen könnte, christlich zu unterrichten. Dabei baut der Autor auf neuere Forschungsergebnisse auf und nutzt den Ansatz des Was-wäre-wenn-Lernens(‚What if Learning‘). Dieser soll christlichen Lehrkräften helfen, den Unterricht positiv weiterzuentwickeln. Es geht hier also nicht um eine pauschal vereinheitlichende Musterschablone, an die sich alle halten müssen. Stattdessen bietet Smith ein Denkmodell, das sich je nach Fachbereich vielfältig anwenden lässt. Grundsätzlich lädt er zu einem Dreischritt in der Unterrichtsplanung ein: (1.) Neu sehen, (2.) Engagement fördern, (3.) die Praxis umgestalten. Zunächst erklärt er die Schritte überblicksartig und erläutert sie dann am realen Beispiel eines christlichen Sportlehrers, um den Lesern eine erste Idee für das Potenzial dieser Vorgehensweise zu vermitteln. Die nachfolgenden Kapitel vertiefen schließlich noch einmal den eben erwähnten Dreischritt: Kapitel 7 („Das Werk der Vorstellungskraft“) beschreibt u.a. anhand eines Biologie- und eines Mathematiklehrers, wie man im Unterricht christliche Vorstellungen von Gott, der Welt und den Menschen einplanen, vermitteln und in der Klassengemeinschaft verwurzeln kann. Mit Kapitel 8 („Gemeinsames Leben“) geht Smith beispielhaft darauf ein, wie man mittels der Aufgabe des Lesens das persönliche Engagement der Schüler fördern und stärken kann. Dabei greift der Autor auch auf das Werk von Dietrich Bonhoeffer zurück, um Impulse für eine aktive Lern- und Lebensgemeinschaft zu formulieren, selbst wenn nicht alle Mitglieder einer Klasse sich gleichermaßen positiv auf den Unterricht einlassen werden. In Kapitel 9 („Raum und Zeit gestalten“) reflektiert Smith die Lernumgebung, d.h. welchen Einfluss die Raum- und Zeitgestaltung auf pädagogische Prozesse haben kann. Hier stellt sich die ernste Frage an christliche Lehrer, wie sie diese zwei essenziellen Aspekte des Unterrichts noch besser zum Wohl der Schüler gestalten wollen. Denn Tatsache ist: „Unterricht besteht nicht nur aus Reden, sondern auch aus Gesten, Lautstärke, Tonfall, Blickkontakt, Position, Körperhaltung, Beleuchtung, Geräuschen, Sitzordnung, Abstand zwischen Personen, Bildern, Symbolen, Tempo, Rhythmus, Stille, Abfolgen, usw.“ (S. 154) Smith beendet sein Buch auf zweifache Weise: In Kapitel 10 („Pädagogik und Gemeinschaft“) fasst er die zentralen Einsichten seiner Studie zusammen und betont, wie wichtig der inhaltsreiche, interessante und bedeutsame Austausch über Glauben und Pädagogik ist. Christliche Lehrer sollen nicht nur eine christliche Haltung an den Tag legen, freundlich und wohlmeinend sein; christliche Lehrinhalte sollten nicht nur biblisch begründet sein. Das ist eine gute Basis, reicht aber noch nicht aus. Es braucht weiterhin ein ehrliches Nachdenken darüber, wie die Unterrichtspraxis unverkennbar christlich sein kann, wie Lehrer vom Glauben her ihre Didaktik durchdenken und anpassen können – in ganz unterschiedlichen Kontexten und jenseits pauschaler Methodengläubigkeit. Pädagogische Methoden und Bildungspraktiken sollten seiner Überzeugung nach stets daraufhin geprüft werden, „ob sie echte Manifestationen des Glaubens sind, den wir bekennen und im Gefüge unseres Lebens zu verwirklichen suchen.“ (S. 175) Smith ergänzt seine Erklärungen noch mit einigen gelungenen Beispielen, bevor er dann in Kapitel 11 („Zum Stand der christlichen Unterrichtsforschung“) skizziert, an welchen Stellen noch Nachholbedarf besteht. David I. Smith nimmt seine Leser mit in die komplexe Fragestellung hinein, wie gute Theorie und gute Praxis zusammenkommen können. Tatsächlich treffen seine kritischen Impulse eine markante Schwachstelle: Die richtigen Inhalte mit der richtigen Haltung weiterzugeben reicht noch nicht aus, um einen wahrhaft christlichen Unterricht zu gestalten, vor allem wenn am Ende die Unterrichtsmethodik nicht überdacht wurde und das Gegenteil von dem aussagt, was man eigentlich vermitteln wollte. Somit ist Vom Bekenntnis zur Praxis ein sehr grundsätzliches Buch. Zugleich schreibt Smith für die Praxis, je nach Unterkapitel sogar recht ausführlich. Hier braucht es etwas Durchhaltevermögen – nicht nur, wenn manche Argumente wiederholt werden, sondern auch, um immer wieder die unterschwellige Spannung von sehr grundsätzlichen und sehr praktischen Fragestellungen zu verarbeiten. Das alles macht Vom Bekenntnis zur Praxis zu einer intensiven, teils fordernden Lektüre. Positiv gesehen sind die 11 Kapitel mit vielen Beispielen angereichert, und Smith greift immer wieder mit Substanz auf weiterführende Forschungsliteratur zurück. Das wird besonders an den 221 Endnoten (!) mit weiterführenden Anmerkungen am Ende des Buches deutlich. Sein Tonfall ist insgesamt freundlich und gewinnend, oftmals humorvoll, immer wieder aber auch ernst. Man spürt beim Lesen: Smith ringt in jedem Kapitel um das Thema, er möchte die Leser wirklich zum Nach- und Weiterdenken anregen. Dazu dienen auch kleinere Aufgaben und Reflexionsfragen am Ende eines jeden Kapitels. Eine größere Auseinandersetzung mit zentralen Bibelstellen zu einem christlichen Bildungsverständnis oder zur Berufung von christlichen Lehrern fehlt. Dies lässt sich einerseits implizit im Buch vorfinden, andererseits sind diese Punkte vorauszusetzen, zumal sie nicht das zentrale Thema des Buches waren. Dafür weist der Autor immer wieder auf hilfreiche Weise auf die geschöpfliche Seite des Lehrens und Lernens hin. Zudem kennt er sich hervorragend in der Kirchengeschichte aus, die in vielen freikirchlichen Krisen leicht übersehen wird und von der sich manches lernen lässt. Ein kleines Manko ist der Textsatz des Buches. Zwar gibt es einige wenige grafische Auflockerungen und Überschriften für die Zwischenabschnitte. Gleichzeitig hätte man bei so einer pädagogischen Thematik auch vom Layout her erwartet, dass z.B. wichtige Kernsätze herausgestellt würden und das Buch insgesamt etwas lesefreundlicher aufgearbeitet worden wäre. So bleibt es auf den ersten Blick bei einem etwas nüchternen Taschenbuch mit jeder Menge Text auf über 200 Seiten, durch die man sich erst einmal durcharbeiten muss. Nichtsdestotrotz, diese Arbeit lohnt sich in jedem Fall. Vom Bekenntnis zur Praxis ist wertvoll und nützlich für Praktiker, die weiter über ihren Dienst nachdenken möchten, wie auch für Theoretiker, die die Dinge noch konkreter für die Praxis aufarbeiten könnten. Wer profitiert also von dem Buch? An erster Stelle stehen hier Lehrerinnen und Lehrer an Bekenntnisschulen sowie Gläubige im öffentlichen Schuldienst (auch an Berufsschulen oder Universitäten). Doch auch Ehrenamtliche in der diakonischen Bildungsarbeit (z.B. Hausaufgabenhilfe, Berufsvorbereitung, Gefährdetenhilfe, usw.) und Gemeindemitarbeiter, die regelmäßig im Lehrdienst und in der Erwachsenenbildung tätig sind, werden hier wichtige Impulse für ihre Arbeit finden. Das große Herzensanliegen der Gemeinde Jesu ist und bleibt die Jüngerschaft (vgl. Mt 28,18-20; 1Kor 11,1), zu der Menschen aus allen Ländern und Kulturen, aus allen Gesellschaftsschichten und aus allen Generationen eingeladen sind. Daraus erklärt sich auch das besondere Anliegen der Gemeinde Jesu für ‚wahre Bildung‘, um als gerettete Geschöpfe des Schöpfers in der guten, aber gefallenen Schöpfung weise zu leben. Hierin liegt dann schließlich der ehrenvolle Arbeitsauftrag christlicher Pädagogen und Gemeinden, nämlich ‚ihre Hausaufgaben zu machen‘, einander zuzuarbeiten und darin zu unterstützen, dass Menschen charakterlich, geistlich und fachlich wachsen… dank Gottes Wort und Wirken, und zugleich dank eines guten, wahrhaft christlichen Unterrichts.
26. Juli 2023 05:22
Für Lehrer, die ein weitergehendes Interesse an Didaktik haben
Das Buch richtet sich an Lehrer, die an Christlichen Schulen unterrichten, deren Interesse an Didaktik über das der Fachdidaktik des eigenen Faches hinausgeht.
…. „Dies kann dazu führen, dass …man vor allem ein christlicher Lehrer ist, wenn man im Unterricht Andachten hält oder eine abweichende christliche Sichtweise auf den Unterrichtsstoff erörtert.“ Zitat von S. 201
Was ist anders an dem Unterricht an einer christlichen Schule? Gibt es christliche Unterrichtsformen? Lernen Schüler an einer christlichen Schule anders? - Solche und weitere Fragen werden durch das Buch bewegt und beantwortet.
Der Autor beschreibt anhand von Beispielen, die häufig aus dem fremdsprachlichen Unterricht kommen, was einen christlich inspirierten Unterricht ausmachen kann, welche Aspekte anhand der christlichen Wertebasis überprüft werden können und welche nicht überprüften Vorstellungen Lehrer vom Unterrichten haben.
Die Kapitel enden jeweils mit Fragen zur Selbstreflexion. Gerade der letzte Aspekt macht es notwendig das Buch häppchenweise zu lesen.
Herausfordernd beim Lesen ist der amerikanische Hintergrund, aus dem das Buch geschrieben wurde - hier bedarf es einer Kenntnis der Unterschiede zwischen dem amerikanischen christlich geprägtem Schulsystem sowie der Übertragung in den eigenen schulischen Kontext.
Zum Ende des Buches analysiert der Autor den Stand der Forschung zu Unterricht im christlich geprägten Umfeld. Er führt aus, dass die Struktur des universitären Bildungssystems sowie die Gegebenheiten in den Schulen ein karger Nährboden für strukturelle Unterrichtsforschung sind. Smith schließt mit einem Appell für empirisches Forschen an Unterricht und Lernen in christlich geprägten Bildungskontexten.
Zur äußeren Gestaltung des Buches
Angesichts von fast 20 Euro kommt mir dieses Taschenbuch mit Klebebindung und einem dünnen Pappumschlag eher minderwertig vor - schade, dass angesichts der Gewichtigkeit des Inhalts die äußere Aufmachung derartige Abstriche erfahren musste - ich wünsche der Zweitauflage eine Aufwertung.
Christliche Verlagsgesellschaft
Am Güterbahnhof 26
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