Die Brüder und die Lehren der Gnade
| Artikelnummer | 256391000 |
|---|---|
| ISBN/EAN | 9783866993914 |
| Verlag | CLV Christl.Literaturverbreitung |
| Erscheinungsdatum | 27.09.2019 |
| Autor | Mark R. Stevenson |
| Seiten | 480 S. |
| Einbandart | Gb |
| Format | 13,5 x 20,5 cm |
Produktinformationen "Die Brüder und die Lehren der Gnade"
| Produktart: | Buch |
|---|
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8. Mai 2020 20:28
Gelungener Beitrag zu einem Thema, das immer wieder für Diskussionen sorgte, sorgt und sorgen wird
Die Brüderbewegung gehört nicht zu den größten in der evangelikalen Welt. Ihr Selbstverständnis kennzeichnet u. a., dass sie sich jeder denominationellen Bezeichnung verwehren. Vielmehr sehnen sich Brüder nach der Einfachheit der neutestamentlichen Muster hinsichtlich kirchlicher Praxis und Gemeinschaft. Dabei verpflichten sie sich der Allgenugsamkeit der Schrift. Dennoch übte die Brüderbewegung einen bedeutsamen Einfluss auf andere Evangelikale im 19. Jahrhundert aus.
Historiker haben die Geschichte der Brüder schwerpunktmäßig auf Themen erforscht, die in Verbindung mit ihrer historischen Entwicklung und ihrem Einfluss auf soziologische Entwicklungen standen. Theologisch konzentrierte man sich auf Fragen des Dispensationalismus , der Ekklesiologie und der Eschatologie , da dies die auffälligsten Kennzeichen der Bewegung sind und die Brüder auf diesem Gebiet den meisten Einfluss ausgeübt haben. Bis heute fehlte allerdings eine gründliche Untersuchung der Soteriologie der frühen Brüder. „Mark Stevensons Untersuchung der Lehre der Brüder über das Heil ist deshalb sehr willkommen und füllt eine bedeutsame Lücke in unserem Verständnis der Bewegung“ (S. 11). Dem CLV ist an dieser Stelle zu danken, dass man sich die Mühe gemacht hat, dieses Werk ins Deutsche zu übersetzen.
Nach einer Einführung, die über Umfang und Abgrenzung der Forschungsarbeit informiert, blickt Stevenson in den ersten zwei Kapiteln auf die calvinistische Heilslehre und zeichnet einen Bogen von der Restauration (~ 1660) bis ins 19. Jahrhundert. Der Fokus liegt hierbei auf dem historischen Kontext, der die damalige Zeit und das Verständnis prägten. Aufschlussreich ist die Skizzierung des soteriologischen Spektrums, der das Feld der theologischen Auffassungen über die göttliche Souveränität und menschliche Freiheit im calvinistischen und arminianischen Denken aufzeigt. Denn die calvinistisch-arminianische Debatte stellt einen zentralen Aspekt der evangelikalen Theologie dar und umfasst ein breites Spektrum von Denkansätzen. Stevenson zeigt auf, dass die Brüder eine calvinistische Soteriologie aufwiesen. In den Kapiteln vier bis sieben beleuchtet der Autor nun die unter dem Akronym TULIP bekannt gewordenen „Lehrsätze des Calvinismus“. Ihm gelingt es dabei das Folgende aufzuzeigen: die Brüder des 19. Jahrhunderts hielten an einer kraftvollen Sicht von der „völligen Verderbtheit des Menschen“ fest, was dazu führte, dass eine calvinistische Position die normative Position darstellte. Ebenso vertraten führende Autoren und Männer der Bewegung ein calvinistisches Verständnis der Erwählung. In seinen Ausführungen stellt Stevenson übersichtlich dar, wie die Brüder mit der Frage der Prädestination umgingen (s. S. 275-76). In den weiteren Ausführungen erfährt der Leser, dass die Brüder keine arminianische Version universaler Sühnung oder Erlösung vertraten. Vielmehr unterschieden sie zwischen universaler Sühnung und partikularer Stellvertretung, was eine Besonderheit der Brüderlehre ist. „Die Unterscheidung zwischen Sühnung und Stellvertretung gab den Brüdern auch ein Mittel an die Hand, mit biblischen Texten umzugehen, die in ihrer Ausrichtung entweder universal oder partikular waren, ohne dabei die Stoßkraft weder des einen noch des anderen Aspekts abzuschwächen“ (S. 329). Diese Züge weisen calvinistische Tendenzen auf, müssen aber inhaltlich differenziert davon betrachtet werden. Im siebten Kapitel verdeutlicht Stevenson, dass die Brüder bemüht waren, zu einer ausgewogenen Position hinsichtlich der Frage zu kommen, mit der die persönliche Rettung verbunden ist. Dabei griffen sie auf Vorläufer in der reformierten Theologie zurück, aber ließen auch ihren Teil an theologischen Eigenheiten erkennen. Das abschließende achte Kapitel fasst noch einmal die Schwerpunkte der Untersuchung zusammen. Anhand der Belege und Quellen kommt Stevenson zu dem Schluss, „dass es angemessen ist, die Soteriologie der Brüder des 19. Jahrhunderts als calvinistisch zu bezeichnen“ (S. 413).
Die Untersuchung ist ein gelungener Beitrag zu einem Thema, das immer wieder für Diskussionen sorgte, sorgt und sorgen wird. Inhaltlich arbeitet Stevenson sehr gründlich und beleuchtet neben historischen Entwicklungen v. a. auch führende Persönlichkeiten (J. N. Darby, W. Kelly, A. Marshall u.a.). Anhand der reichhaltigen Quellen erhält der Leser einen faktengestützten Einblick in das Denken der Brüder im 19. Jahrhundert. So bietet „der Verfasser eine souveräne, kompetente und weit gespannte Darstellung der Ansichten führender Lehrer innerhalb der Bewegung“ (S. 11).
Befürchtungen, dass die Ausarbeitung kompliziert und schwer zu verstehen ist, kann ein Riegel vorgeschoben werden. „Zwar hat der Verfasser in das Buch einen umfangreichen Inhalt gepackt, aber in einem Stil, der das Lesen viel leichter macht, als dies bei den meisten anderen Büchern dieser Kategorie der Fall ist“ (S. 11). Nichtsdestotrotz bedarf es eines gewissen Vorwissens bezüglich der Thematik, um die Inhalte einordnen zu können.
Insgesamt ist das Buch hilfreich, um das Denken der führenden Personen der Brüderbewegung zu erkennen. Weiterhin wird es hoffentlich dazu beitragen, dass grundlegend über diese wichtigen Themen nachgedacht und in Gottes Wort nachgeforscht wird. Aufgrund der inhaltlichen Fülle und des theologischen Vorwissens ist es eher für Interessierte zu empfehlen. Der Preis ist absolut angemessen für die faktenreiche Kompaktheit der Darstellung.
(Buchbesprechung mit freundlicher Unterstützung von www.eleg-online.de)
6. April 2020 17:55
interessanten Einblick in das theologische Ringen der Brüder der ersten Stunde
Wissenschaftliche Untersuchungen zur Soteriologie (Lehre vom Erlösungswerk Christi) der Brüderbewegung sind bis zur Veröffentlichung dieses Werkes Mangelware gewesen. Es ist begrüßenswert, dass der Autor seine
Wer dieses Buch liest, wird die enorme Forschungsleistung des Autors, der selbst der Brüderbewegung entstammt, zu würdigen wissen. Stevenson hat eine Fülle von Quellen ausgewertet – allein seine Bibliografie umfasst beindruckende 49 Seiten. Dennoch ist das Buch leicht lesbar und bietet einen interessanten Einblick in das theologische Ringen der Brüder der ersten Stunde. Nach einer kurzen Einführung (S. 23ff.) zeichnet Stevenson einen historischen Überblick über die calvinistische Heilslehre (S. 45ff.).
Er arbeitet in diesem Zusammenhang heraus, dass die Brüder des 19. Jhdt. „ohne Ausnahme den Extremen des Hyper-Calvinismus kritisch gegenüber [standen]. Ihre Soteriologie bewegte sich vielmehr zwischen striktem
und gemäßigtem Calvinismus.“ (S. 104f.). In seiner Untersuchung zur gefallenen menschlichen Natur im Denken der Brüder (S. 125ff.) kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass die Brüder „an einer kraftvollen Sicht von der „völligen Verderbtheit des Menschen“ festgehalten haben“, wenngleich gegen Ende des 19. Jhdt. Einige Brüder weniger eindeutig calvinistisch oder sogar offen Arminianer waren (S. 195).
Im fünften Kapitel (S. 197ff.) geht Stevenson der Frage nach dem Verhältnis der Brüder zur Prädestinationslehre nach. Er folgert hierbei, dass die Brüder an der bedingungslosen Erwählung einerseits, aber auch an der menschlichen Verantwortung festhielten. Gleichermaßen bekräftigten sie die seelsorgerliche Zielrichtung der Erwählungslehre und warnten dagegen vor ihrer offensiven Verkündigung im Rahmen der Evangeliumsverbreitung (S. 275). Auch die Verwerfung des Menschen sei in der Schrift nicht gelehrt, sondern das Produkt menschlicher Schlussfolgerung (S. 276). Angemerkt sei, dass gerade die Evangelisten unter den Brüdern (besonders Alexander Marshall) dem Arminianismus gegenüber offener waren.
Die Ansicht der Brüder zur Reichweite des Sühnungswerkes (universal oder partikular) wird in Kapitel 6 untersucht. Hierbei stellt Stevenson eine interessante Besonderheit für die Brüderbewegung fest. Sie hielten sich nicht an die übliche Formel „ausreichend für alle, wirksam für die Erwählten“, sondern unterschieden zwischen universaler Sühnung (Christus ist für alle Menschen gestorben) und partikularer Stellvertretung (Christus ist lediglich der Stellvertreter für die Seinen).
In dem letzten Forschungskapitel geht der Autor schließlich auf die Sichtweisen der Brüder im Hinblick auf den rettenden Glauben, der Buße sowie der Heilsgewissheit ein (S. 331ff.). In diesem interessanten Kapitel stellt er fest, dass viele Brüder wie Calvin die Heilsgewissheit zu einem wesentlichen Bestandteil des Glaubens machten. Dabei objektivierten einige Brüder die Heilsgewissheit so sehr, dass die Erfahrung irrelevant erschien, weswegen andere Brüder zu einer ausgewogeneren Haltung aufriefen.
Bis auf wenige Ungenauigkeiten (Norman L. Geisler und Dave Hunt werden salopp fälschlicherweise als Arminianer bezeichnet, S. 30) und fragwürdige Darstellungen (so stellt Stevenson vier unterschiedliche
Sichtweisen innerhalb des Calvinismus dar, lediglich aber nur eine arminanische Position, S. 83f.) ist das interessante Buch sehr zu empfehlen. Die Hoffnung des Autors, „dass dieses Buch zu einer dringend benötigten Klarstellung beiträgt angesichts der anti-calvinistischen Stimmung“ (S. 44) wird sich sicherlich erfüllen.
Neben dem Forschungsergebnis der engen Beziehung der Brüder zur calvinistischen Heilslehre haben mich folgende Punkte beeindruckt:
1. Es ist erstaunlich, auf welch hohem theologischen Niveau die Brüder mit ihren Zeitgenossen argumentiert und gerungen haben. Diese bibelorientierte, tiefgründige Auseinandersetzung wäre heute mehr denn je zu wünschen.
2. Gleichermaßen ist es bewundernswert, wie (erfolgreich) um Ausgewogenheit gerungen und nicht blindlings einem System gefolgt wurde. Die Brüder sträubten sich, die Terminologie des Calvinismus oder Arminianismus
ungeprüft zu übernehmen, sondern wollten streng bei der Schrift bleiben. Auch dies ist heute mehr denn je angezeigt. Man möchte mit Charles Simeon rufen: „Seid Bibel-Christen, nicht System- Christen.“ (S. 97)
3. Besonders bei C.H. Mackintosh hat mich beeindruckt, dass tiefgründige, detailtreue Theologie in verständliche, warmherzige Worte gekleidet werden kann und muss. Zwei Beispiele: „Die Errettung – frei
und umsonst wie die Sonnenstrahlen, voll wie der Ozean, ewig feststehend wie der Thron des ewigen Gottes – wird mir gepredigt; nicht als einem der Erwählten, sondern als einem, der vollkommen verloren, schuldig
und zugrunde gerichtet ist; und wenn ich diese Errettung angenommen habe, dann habe ich einen schlagenden Beweis für meine Erwählung.“ (S. 234) „Wir glauben, dass der Evangelist nicht die Aufgabe hat, Erwählung zu predigen. Paulus predigte nie die Erwählung. Er lehrte die Erwählung, aber er predigte Christus. Daraus ergibt sich der ganze Unterschied.“ (S. 235)
Möge das Buch viele Christen anregen, sich mit schwierigen theologischen Fragestellungen allein von der Schrift her zu befassen und ihren Herrn auch im Detail neu lieb zu gewinnen.
CLV Christl.Literaturverbreitung
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